KFV Wunsiedel

Kreisfeuerwehrverband Wunsiedel

im Fichtelgebirge e.V.

Katastrophenschutzübung "Nachtexpress 2018" am 01./02.09.2018

Auf der Bahnstrecke Marktredwitz - Schirnding nach dem Bahnübergang Elisenfels bot sich den ab 23:55 Uhr nach und nach eintreffenden Rettungskräften ein anspruchsvolles und realistisches Übungsszenario. Was war geschehen?


Eine geschobene Rangierabteilung mit Langholzwaggons war im Bereich des Bahnhofs Arzberg unterwegs.  Der auf dem Trittbrett der Lok stehende Rangierer rutschte aufgrund einer Unachtsamkeit ab, schlug mit dem Kopf gegen einen der Wagen und blieb bewusstlos im Gleisbereich liegen. Dies geschah vom Lokführer unbemerkt. Da kein Anhaltehinweis vom Rangierer kam, wurde die Rangierhalttafel überfahren; der Zug gelangte ungewollt auf die freie Strecke zwischen Arzberg und Marktredwitz. Der Fahrdienstleiter erkannte dies und setzte über Zugfunk sofort einen Nothaltauftrag ab. Dieser Nothaltauftrag wurde von der Rangierfahrt und dem aus Marktredwitz kommenden Regionalexpress gehört. Ein Zusammenstoß beider Züge ließ sich nicht mehr verhindern. Der Lokführer des Regionalexpress war noch in der Lage den Unfall an den Fahrdienstleiter in Schirnding zu melden. Von dort ging die Alarmierungskette weiter an die Notfallleitstelle der Deutschen Bahn AG in München. Diese veranlasste eine sofortige Einstellung des Schienenverkehrs auf der Strecke Marktredwitz - Schirnding und verständigte den zuständigen Notfallmanager. Außerdem wurde die Information über den Unfall an die Einsatzzentrale des Polizeipräsidiums Oberfranken, die Bundespolizei sowie die Integrierte Leistelle (ILS) Hochfranken weitergeleitet. Aufgrund des Lagebildes alarmierte die ILS umgehend nach dem Schlag-/Stichwort THL VU Zug die in der Alarmierungs- und Ausrückeordnung vorgeplanten Einsatzkräfte, Fachbehörden und Dienststellen.

Die Feuerwehren aus Seußen, Arzberg, Schirnding, Marktredwitz, Kirchenlamitz und Marktleuthen (die beiden letzteren aufgrund des Rüstsatzes Bahn), der Führungsdienst der Kreisbrandinspektion nebst Örtlichem Einsatzleiter, der Fachberater des Technischen Hilfswerks, Beamte von Landes- und Bundespolizei, der diensthabende Ansprechpartner des Landratsamtes sowie umfangreiche Kräfte des Bayerischen Roten Kreuzes und der Deutschen-Lebens-Rettungs-Gesellschaft eilten zum Schadensort. Die Kreisstraße WUN 18, die für die Dauer der Übung in diesem Bereich gesperrt war, diente als Bereitstellungsraum.

Die Situation vor Ort stellte sich wie folgt dar: Die beiden Züge standen ohne Innenbeleuchtung in stockfinsterer Nacht ca. 400 m vom Bahnübergang Elisenfels entfernt bei Km 133,0 in einem Geländeeinschnitt. Gewimmer von Verletzten, Qualm und der Geruch von Holz lagen in der Luft, an der Rangierlok trat eine undefinierbare Flüssigkeit aus. Der Zugang war nur über den Bahnkörper möglich, da die Böschungen des Einschnitts zu steil waren. Entlang der Züge lagen durch den Zusammenprall vom Waggon geschleuderte Langholzstämme die den Zugang erschwerten.  Mit Kettensägen und Mehrzweckzügen beseitigte man auch diese Hindernisse. Gemeinsam mit Kräften von Feuerwehr und BRK verschaffte sich die Einsatzleiter einen ersten Überblick. Vier Fahrgäste waren dermaßen eingeklemmt, dass der Einsatz von hydraulischem Rettungsgerät notwendig wurde, außerdem fehlte Licht. Alles was am und im Zug an technischem Gerät benötigt wurde, musste von den Fahrzeugen abgeladen und mit den schienenfahrbaren Rollpaletten des Rüstsatzes Bahn und ordentlich Man- und Womenpower über ca. 400 m freies Gleis und die Röslaubrücke, die das Gsteinigt überspannt, zum Unfallort geschafft werden. Auf dem Rückweg konnten verletzte und nicht gehfähige Fahrgäste vom Zug zur Patientenablage transportiert werden. Aufgrund des erhöhten Koordinierungsbedarfs am Schadensort, entschloss man sich im Feuerwehrgerätehaus Arzberg eine Örtliche Einsatzleitung einzurichten und die Führungsgruppe Katastrophenschutz im Landratsamt Wunsiedel zu besetzen. Nach Rücksprache mit dem Fachberater des Technischen Hilfswerks wurden Kräfte des Ortsverbands Marktredwitz in Marsch gesetzt, welche die Einsatzstelle vollständig ausleuchteten. Hierfür wurden umfangreiche Gerätschaften zum Einsatz gebracht.

Von den 50 Fahrgästen des Regionalexpress wurden 25 verletzt, wovon einige Personen lebensbedrohliche Verletzungen erlitten. Bei den anderen Reisenden mussten schwerwiegende und leichte Verletzungen festgestellt werden. In einem Fall kam leider jede Hilfe zu spät. Eine vorgesehene Vermisstensuche durch die Bergwacht musste aufgrund eines Echteinsatzes abgebrochen werden. Auch konnte der zur Unterstützung eingeplante Hubschrauber der Bundespolizei aus Witterungsgründen leider nicht starten.

Begleitet wurde die Übung von Filmteams des Bayerischen Rundfunks und des Filmschaffenden Michael von Hohenberg. Gegen 3:15 Uhr fand eine abschließende Pressekonferenz im Rathaus Arzberg statt, die gleichzeitig das Ende der Übung darstellte.

 In der Abschlussbesprechung im Feuerwehrhaus Arzberg dankten Landrat Dr. Karl Döhler und der 1. Bürgermeister der Stadt Arzberg Stefan Göcking allen Mitwirkenden für ihr Engagement. Besonders beeindruckt zeigte man sich von der großen Anzahl von Verletztendarstellern, die keiner Hilfsorganisation angehörten. Horst Waschilowski vom Landratsamt Wunsiedel ließ den Übungsablauf nochmals kurz Revue passieren und bat die beteiligten Organisationen, die Beobachter aus den Landkreisen Hof und Tirschenreuth sowie der Bundeswehr ihre Erkenntnisse aus der Übung im Laufe des Monats schriftlich mitzuteilen.

 Für die Fotos bedanken wir uns ganz herzlich bei Florian Miedl: www.facebook.com/florianmiedlfotografie/ und www.florianmiedl.de

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